Jedes Jahr zahlen deutsche Haushalte über 8 Milliarden Euro an Rundfunkbeiträgen. Aber wohin fließt dieses Geld eigentlich?
Viele Menschen denken beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sofort an Tatort-Wiederholungen und Volksmusik. Dabei ist die Finanzstruktur von ARD, ZDF und Co. viel komplizierter, als es oft scheint.

Die Rundfunkbeiträge von rund 8,7 Milliarden Euro decken etwa 87 Prozent des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Sender ab. Diese Summe landet aber nicht nur bei den oft kritisierten Programmen. Sie finanziert auch Nachrichten, Bildung, Unterhaltung und digitale Angebote.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich die Kosten für Formate wie den Tatort zusammensetzen. Sie bekommen einen Einblick, welche versteckten Ausgaben Ihre Beiträge finanzieren und warum die Diskussion um Reformen bei ARD und ZDF immer lauter wird.
Tatort-Wiederholungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

ARD und andere öffentlich-rechtliche Sender zeigen täglich mehrere Tatort-Wiederholungen in den dritten Programmen und auf ONE. Viele Zuschauer regen sich über die Menge der alten Folgen auf, während die Sender auf diese Quotenhits setzen.
Ursachen für die Häufung von Wiederholungen
Die Sender greifen aus mehreren Gründen verstärkt zu Tatort-Wiederholungen. Kosteneinsparungen sind ein wichtiger Faktor, weil bereits produzierte Inhalte einfach günstiger sind als neue Folgen.
Fast jeden Abend ab 20 Uhr laufen Tatort-Wiederholungen in den dritten Programmen und auf ONE. Die meisten Folgen sind ab 12 Jahren freigegeben, was die Ausstrahlung zur Primetime erlaubt.
Die lange Produktionszeit neuer Folgen verschärft das Problem. Während Sie auf neue Krimis warten, füllen die Sender das Programm mit alten Klassikern. Die verschiedenen Tatort-Teams kommen mit der Produktion neuer Folgen einfach nicht hinterher.
Beliebtheit und Quoten von Tatort-Krimis
Tatort bleibt die beliebteste Krimireihe im deutschsprachigen Raum. Allerdings erreichen die Sendungen nicht mehr die früheren Spitzenwerte.
Bei der Erstausstrahlung schalten oft über zehn Millionen Zuschauer ein. Wiederholungen holen deutlich niedrigere Quoten.
Ein Beispiel: Der „Tatort: Allmächtig“ lockte 2013 bei der Erstausstrahlung 8,30 Millionen Menschen vor den Fernseher. Die Wiederholung sahen nur noch 5,79 Millionen.
Die Quotenentwicklung bereitet den Sendern Sorgen. Streaming-Dienste und Mediatheken verändern das Sehverhalten, klassische Quoten verlieren an Aussagekraft.
ARD und ZDF müssen ihre Programmstrategie wohl überdenken, um den Anschluss nicht zu verlieren.
Sommerpause und TV-Programmgestaltung
Die jährliche Tatort-Sommerpause verschärft das Wiederholungsproblem. Von Juni bis September laufen fast nur alte Folgen, was viele Zuschauer nervt.
Fans machen ihrem Ärger oft auf Social Media Luft: „Hab die Wiederholungen satt“ oder „Gibt es eigentlich nur noch Wiederholungen?“ liest man immer wieder auf Instagram oder Twitter.
Die Programmplanung der ARD stößt besonders dann auf Kritik, wenn alte Tatort-Folgen Vorrang vor Live-Ereignissen bekommen. Die ARD Mediathek bietet zwar viele Folgen online an, aber das Hauptprogramm bleibt für viele enttäuschend.
Nach der Sommerpause gibt es meist ab September wieder neue Folgen. Für Krimi-Fans heißt das: Geduld haben.
Finanzierung und Kostenstruktur: Wofür werden die 8 Milliarden Euro verwendet?

ARD und ZDF verwalten jedes Jahr rund 8 Milliarden Euro aus Rundfunkbeiträgen. Dieses Geld landet in verschiedenen Programmbereichen, von Nachrichten über Unterhaltung bis zu Bildungsformaten.
Verteilung der Gebührengelder bei ARD und ZDF
ARD bekommt den größten Anteil der Rundfunkbeiträge – etwa 5,5 Milliarden Euro jährlich. Das ZDF erhält rund 2,1 Milliarden Euro. Deutschlandradio stehen ungefähr 250 Millionen Euro zur Verfügung.
Bei der ARD teilen sich neun Landesrundfunkanstalten das Budget. Die größten Anteile gehen an:
- WDR: Circa 1,3 Milliarden Euro
- BR: Etwa 1,1 Milliarden Euro
- SWR: Rund 900 Millionen Euro
- NDR: Ungefähr 850 Millionen Euro
Das ZDF setzt sein Budget zentral für das Hauptprogramm, ZDFneo, ZDFinfo und die Mediathek ein. Etwa 60 Prozent der Gelder fließen in die Programmproduktion. Die restlichen 40 Prozent gehen in Verwaltung, Technik und Infrastruktur.
Sparmaßnahmen und Programmvielfalt
Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen unter Spardruck. ARD und ZDF versuchen, mit verschiedenen Maßnahmen Kosten zu senken. Dazu zählen Stellenabbau, Programmkürzungen und technische Modernisierung.
Die ARD hat ihre Spartenprogramme reduziert. Einige digitale Kanäle wurden zusammengelegt oder ganz eingestellt. Auch das ZDF hat bei weniger erfolgreichen Formaten den Rotstift angesetzt.
Kritiker sagen, dass trotz Sparmaßnahmen teure Produktionen weiterlaufen. Sie wünschen sich mehr Transparenz bei den Ausgaben. Die Sender betonen, dass Qualitätsprogramme ihren Auftrag erfüllen.
Wiederholungen kosten deutlich weniger als neue Produktionen. Ein Tatort schlägt in der Erstausstrahlung mit bis zu 1,5 Millionen Euro zu Buche. Die Wiederholung verursacht nur minimale Zusatzkosten für Sendezeit und Rechte.
Kosten von Tatort-Produktionen und Volksmusik
Ein einzelner Tatort kostet zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro. Bei 35 neuen Folgen im Jahr kommen rund 50 Millionen Euro Produktionskosten zusammen. Dazu kommen Ausgaben für Wiederholungen und internationale Vermarktung.
Volksmusik-Sendungen sind günstiger. Eine Folge „Musikantenstadl“ oder ähnliche Formate kosten zwischen 200.000 und 400.000 Euro. Diese Sendungen haben eine treue Fangemeinde und rechtfertigen ihren Preis durch stabile Quoten.
Die Produktionskosten schwanken stark je nach Format:
- Nachrichten: 150-200 Euro pro Sendeminute
- Talk-Shows: 8.000-12.000 Euro pro Sendeminute
- Dokumentationen: 15.000-25.000 Euro pro Sendeminute
- Spielfilme: 20.000-50.000 Euro pro Sendeminute
ARD und ZDF stecken auch viel Geld in Online-Angebote und Mediatheken. Diese digitalen Plattformen verschlingen jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro.
Kritik, Alternativen und Ausblick für ARD und ZDF
Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen vor echten Herausforderungen. Es gibt Kritik am Programm, veränderte Erwartungen der Zuschauer und den Druck, zu sparen.
Gleichzeitig sollen sie regionale Vielfalt bewahren und mit digitalen Trends Schritt halten.
Kritik an der Programmgestaltung
Sie zahlen jeden Monat 18,36 Euro Rundfunkbeitrag. Aber was bekommen Sie dafür?
Viele Zuschauer äußern scharfe Kritik am Programm von ARD und ZDF.
Die häufigsten Vorwürfe sind:
- Zu viele Wiederholungen alter Serien und Filme
- Einseitige politische Berichterstattung
- Veraltete Unterhaltungsformate
- Hohe Kosten für wenig Mehrwert
Eine Umfrage der „Bild“ aus 2023 ergab: 78 Prozent der Befragten lehnen weitere Beitragserhöhungen ab. Der Skandal um die frühere RBB-Intendantin Patricia Schlesinger hat die Kritik noch verstärkt.
Besonders die Programmvielfalt sorgt für Streit. Kritiker finden, dass zu viel Geld für Nischenprogramme draufgeht. Gleichzeitig vermissen jüngere Zuschauer innovative Formate.
Wünsche und Erwartungen der Zuschauer
Viele wünschen sich mehr Transparenz und bessere Programme für ihr Geld. Die Erwartungen an ARD und ZDF haben sich in den letzten Jahren stark verändert.
Was Zuschauer fordern:
- Weniger Wiederholungen, mehr neue Inhalte
- Ausgewogene Berichterstattung ohne politische Schlagseite
- Moderne Formate für alle Altersgruppen
- Sparsamer Umgang mit Beitragsgeldern
Heute nutzen viele Menschen Streaming-Dienste und soziale Medien. Sie erwarten von ARD und ZDF ähnliche Qualität und mehr Vielfalt. Besonders junge Leute wenden sich ab, weil ihnen das Programm zu altbacken erscheint.
Der neue Reformstaatsvertrag, der am 1. Dezember 2025 in Kraft tritt, soll einige dieser Probleme angehen. Spartensender verschwinden, und mehr Inhalte wandern ins Netz.
Regionale Vielfalt: Beispiele aus Berlin und anderen Städten
Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen vor der Aufgabe, ihre regionale Berichterstattung zu stärken. Gleichzeitig dürfen sie dabei aber nicht zulassen, dass die Kosten völlig aus dem Ruder laufen.
Erfolgreiche regionale Formate:
- Berliner Lokalnachrichten im RBB
- Stadtmagazine in verschiedenen Landeshauptstädten
- Regionale Dokumentationen über lokale Themen
Berlin liefert ein gutes Beispiel dafür, wie regionale Vielfalt gelingen kann. Der RBB berichtet engagiert über Stadtpolitik und Kulturereignisse.
Klar, die Skandale um die Führung haben für Gesprächsstoff gesorgt. Trotzdem bleibt die regionale Berichterstattung für die Zuschauer einfach unverzichtbar.
In anderen Bundesländern probieren die Sender neue Formate aus. Bayern setzt mittlerweile stark auf digitale Angebote, um auch junge Leute zu erreichen.
Nordrhein-Westfalen geht einen anderen Weg und testet lokale Podcasts sowie Online-Magazine.
Regionale Vielfalt kostet natürlich Geld. Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen hier unter Druck, diese Aufgabe effizient und sinnvoll zu erfüllen.




