Fast die Hälfte aller deutschen Industrieunternehmen hat schon Arbeitsplätze ins Ausland verlagert oder plant das in naher Zukunft. Deutsche Unternehmen verlassen das Land vor allem wegen zu viel Bürokratie, hohen Energiekosten und schlechter Digitalisierung. Was früher kaum vorstellbar war, ist jetzt Realität: Traditionsunternehmen wie Volkswagen, BASF und Miele bauen neue Werke lieber in den USA, China oder Polen als hierzulande.

Die Zahlen sind eindeutig. Letztes Jahr flossen 94 Milliarden Euro deutscher Investitionen ins Ausland, während nur 15 Milliarden Euro ausländischer Investitionen nach Deutschland kamen.
69 Prozent der befragten Familienunternehmen sagen, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland hat sich stark verschlechtert.
Abwanderung der Unternehmen: Aktuelle Entwicklungen und Trends

Jedes fünfte deutsche Unternehmen hat die Produktion bereits verlagert. Fast die Hälfte plant in den nächsten Jahren weitere Schritte.
Diese Entwicklung betrifft nicht mehr nur die Fertigung. Auch Forschung und Entwicklung wandern ab.
Ausmaß und Dynamik der Abwanderung
19 Prozent der deutschen Unternehmen produzieren nicht mehr im Land. Das sind acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren.
Nicht nur die Produktion zieht weg. 17 Prozent haben ihre Entwicklungsabteilungen ins Ausland verlagert, vor einem Jahr waren es noch 12 Prozent. Bei der Forschung ist der Anteil von 10 auf 13 Prozent gestiegen.
43 Prozent der Firmen planen in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Produktionsverlagerung. 2023 lag der Wert noch bei 33 Prozent.
Diese Entwicklung beschleunigt sich in allen Bereichen:
- Entwicklung: 30% planen Verlagerung (2023: 24%)
- Forschung: 35% sehen Standorte außerhalb Deutschlands vor (2023: 23%)
- Endmontage: bereits 18% abgewandert (2023: 11%)
Große Unternehmen treiben die Entwicklung besonders voran. Sie haben die Ressourcen für internationale Verlagerungen und reagieren schneller auf wirtschaftliche Veränderungen.
Betroffene Branchen und deren Bedeutung
Der Maschinenbau steht im Zentrum dieser Abwanderungswelle. Diese Branche bildet das Rückgrat der deutschen Industrie und beschäftigt über eine Million Menschen.
Die Chemiebranche folgt dicht dahinter. Hohe Energiekosten treffen sie besonders hart, da viele Produktionsprozesse sehr energieintensiv sind.
Chemieunternehmen suchen Standorte mit günstigeren Energiepreisen.
Automobilhersteller verlagern nicht nur Produktion, sondern auch Forschung und Entwicklung. Die Umstellung auf Elektromobilität verstärkt diesen Trend.
Neue Technologien entstehen oft näher an den Zielmärkten.
Auch die Metallindustrie kämpft mit steigenden Kosten. Energiepreise und Rohstoffkosten drücken die Gewinnmargen. Viele Betriebe sehen kaum noch Alternativen zur Verlagerung.
Diese Branchen spielen für Deutschland eine große Rolle. Sie schaffen hochqualifizierte Arbeitsplätze und sorgen für einen Großteil der Exporterlöse.
Zielmärkte deutscher Unternehmen
Andere europäische Länder stehen ganz oben auf der Zielliste (30%). Osteuropäische Staaten bieten niedrigere Lohnkosten bei ähnlicher Qualifikation.
Die USA ziehen 26 Prozent der abwandernden Unternehmen an. Der große Binnenmarkt und staatliche Förderungen machen Amerika für viele attraktiv. Besonders Technologieunternehmen zieht es dorthin.
Asien ohne China lockt 19 Prozent der Firmen. Länder wie Vietnam oder Thailand bieten günstige Produktionsbedingungen. Die Nähe zu wichtigen Absatzmärkten ist ein weiterer Pluspunkt.
China bleibt trotz politischer Spannungen für 16 Prozent interessant. Der riesige Markt und die Infrastruktur wiegen die Risiken auf.
Indien holt auf (14%). Das Land bietet viele qualifizierte Arbeitskräfte zu niedrigen Kosten. Viele IT- und Entwicklungsabteilungen entstehen dort.
Diese Investitionen im Ausland fehlen in Deutschland. Die Wirtschaft verliert so wichtige Wertschöpfung und Innovation.
Hauptgründe für die Deindustrialisierung

Deutschland büßt systematisch an industrieller Wettbewerbsfähigkeit ein. Hauptgründe sind hohe Energiekosten, zu viel Bürokratie und immer mehr Vorschriften.
Diese Faktoren treiben Unternehmen ins Ausland und gefährden langfristig Arbeitsplätze und das Bruttoinlandsprodukt.
Hohe Energiepreise und Energiekosten
Die Energiewende hat Deutschland zum Hochpreisland für Industriestrom gemacht. Nach dem Ende günstiger russischer Gaslieferungen zahlen Unternehmer heute deutlich mehr für Energie als Konkurrenten im Ausland.
Strompreise im Vergleich:
- Deutschland: 15-20 Cent/kWh (Industrie)
- USA: 6-8 Cent/kWh (stark subventioniert)
- China: 8-10 Cent/kWh
Gaspreise treffen besonders energieintensive Branchen. Chemieunternehmen wie BASF verlagern neue Produktionskapazitäten nach China oder in die USA.
Dort erhalten sie staatlich subventionierten Industriestrom zu Weltmarktpreisen.
Die Energiekosten deutscher Industriebetriebe liegen mittlerweile 40-60% über dem EU-Durchschnitt. Das macht Investitionen hierzulande unrentabel.
Bürokratie und Genehmigungsverfahren
Deutschland erstickt Unternehmen in einem Meer aus Vorschriften und langwierigen Verfahren. Über 70% der Wirtschaftsexperten weltweit nennen die deutsche Bürokratie als größtes Investitionshemmnis.
Ein paar Zahlen dazu:
- 1.792 Gesetze mit 51.155 Einzelnormen regeln Bau und Produktion
- 23,7 Milliarden Euro kostete Bürokratie deutsche Unternehmen 2024
- Nur 81 von 580 Behördendienstleistungen sind komplett digitalisiert
Genehmigungsverfahren dauern oft Jahre statt Monate. Selbst einfache Anträge erfordern Papierkram, während andere Länder das längst digital abwickeln.
Die DIHK berichtet, dass Unternehmen hier durchschnittlich 12-18 Monate für Produktionsgenehmigungen brauchen. In Singapur oder den Niederlanden sind es oft nur 3-6 Monate.
CO2-Preis und regulatorische Belastungen
Der europäische Emissionshandel und nationale CO2-Abgaben machen die Produktion zusätzlich teurer. Unternehmen zahlen derzeit rund 85 Euro pro Tonne CO2, während Konkurrenten in Asien oder Amerika solche Kosten nicht tragen.
Regulatorische Mehrbelastungen umfassen:
- CO2-Zertifikate für Stahl- und Chemieproduktion
- Verschärfte Umweltauflagen ohne Übergangsphasen
- Komplexe Berichtspflichten für Nachhaltigkeit
- Zusätzliche Energieeffizienz-Standards
Diese Regelungen treiben die Produktionskosten um 8-15% nach oben. Globale Konkurrenten müssen solche Auflagen nicht erfüllen.
Das Ergebnis: Unternehmen wandern ab, statt dass tatsächlich Emissionen sinken.
Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich
Deutschland fällt bei wichtigen Standortfaktoren immer weiter zurück. Die Wettbewerbsfähigkeit leidet unter hohen Kosten und schlechter digitaler Infrastruktur.
Deutschlands Position verschlechtert sich:
- Platz 23 von 64 Ländern im Digital Competitiveness Index (2023)
- Drittletzter Platz bei Glasfaser-Abdeckung in der OECD (11,19%)
- 50% der Industrieunternehmen denken über Produktionsverlagerung nach
Während Unternehmen hier mit Fachkräftemangel und überlasteter Infrastruktur kämpfen, bieten andere Länder attraktive Anreize.
Die USA locken mit dem Inflation Reduction Act, China mit direkten Subventionen.
2024 flossen 94 Milliarden Euro deutsche Investitionen ins Ausland, während nur 15 Milliarden ausländisches Kapital nach Deutschland kam.
Folgen für den Standort Deutschland
Die Abwanderung deutscher Unternehmen wirkt sich bereits spürbar auf Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum aus. Das Bruttoinlandsprodukt stagniert seit 2019, während Investitionen und Konsum zurückgehen.
Auswirkungen auf Beschäftigung und Arbeitsmarkt
Tausende Arbeitsplätze sind schon verloren gegangen. Deutsche Konzerne haben Produktion ins Ausland verlagert und dabei Stellen abgebaut.
Besonders betroffen sind energieintensive Branchen wie Maschinenbau und Chemieindustrie.
Jedes fünfte Unternehmen hat Produktionskapazitäten verlagert. Dabei verschwinden nicht nur Fertigungsarbeitsplätze.
Auch Forschung, Entwicklung und Verwaltung wandern zunehmend ab.
Die Folgen spüren vor allem bestimmte Regionen:
- Industriezentren in Nordrhein-Westfalen
- Automobilstandorte in Baden-Württemberg
- Chemieregionen in Rheinland-Pfalz
Großunternehmen sind besonders betroffen. 51 Prozent der Industriebetriebe mit über 500 Mitarbeitern planen Produktionseinschränkungen oder Abwanderung.
Diese Unternehmen setzen ihre Pläne meist schnell um, weil sie international gut aufgestellt sind.
Veränderungen im Konsum und Wirtschaftswachstum
Das Bruttoinlandsprodukt stagniert seit 2019. Deutschland schneidet bei den Konjunkturprognosen im europäischen Vergleich schlecht ab.
Die Industrieproduktion geht immer weiter zurück.
Der Konsum leidet unter der Unsicherheit. Wenn Unternehmen abwandern und Arbeitsplätze wegfallen, bleibt den Menschen weniger Geld im Portemonnaie.
Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen sinkt.
Die deutsche Wirtschaft steckt in einem Teufelskreis:
- Unternehmen wandern ab
- Arbeitsplätze gehen verloren
- Konsum sinkt
- Wirtschaftswachstum bleibt aus
Experten sprechen schon von einer beginnenden Deindustrialisierung. „Die Deindustrialisierung von Deutschland hat begonnen und gefühlt steuert niemand dagegen“, kommentierte ein westdeutsches Industrieunternehmen in einer DIHK-Umfrage.
Einfluss auf Investitionen und Zukunftsperspektiven
Unternehmen investieren deutlich weniger in Deutschland. Mehr als ein Drittel der Industriebetriebe steckt weniger Geld in ihre wichtigsten Abläufe. Ein Viertel kann sich beim Klimaschutz kaum noch engagieren.
Was besonders ins Auge fällt: Ein Fünftel der Unternehmen verschiebt Investitionen in Forschung und Entwicklung. Das schwächt Deutschlands Rolle als Innovationsstandort auf Dauer. Und ehrlich, wie lange kann das noch gutgehen?
Die Investitionsschwäche trifft verschiedene Bereiche:
- Produktionstechnik: Unternehmen kaufen weniger moderne Maschinen.
- Digitalisierung: Viele IT-Projekte bleiben liegen.
- Klimaschutz: Umweltinvestitionen schrumpfen spürbar.
- F&E: Forschungsprojekte müssen oft dran glauben.
Zwei Drittel der Industriebetriebe fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Wenn Firmen nicht mehr in ihre Kernprozesse investieren, spricht die DIHK sogar von einem „Rückbau auf Raten“.
Die Aussichten werden düsterer. Ohne grundlegende Reformen bei Energiepreisen und weniger Bürokratie wird sich der Trend zur Abwanderung wohl noch beschleunigen.
Handlungsoptionen und Perspektiven für die deutsche Industrie
Deutschland braucht jetzt wirklich grundlegende Reformen und massive Investitionen, um die Industrie zu retten. Experten schlagen politische Maßnahmen in 15 Bereichen vor und fordern zusätzlich 1,4 Billionen Euro bis 2030.
Gesetzgeberische und politische Maßnahmen
Die deutsche Wirtschaft kämpft mit strukturellen Problemen, die sofortiges politisches Handeln verlangen. Energiepreise müssen endlich international mithalten können, und Bürokratieabbau sollte ganz oben stehen.
Die DIHK und der BGA machen Druck und verlangen konkrete Schritte:
- Schnellere Genehmigungsverfahren für Industrieprojekte.
- Steuerreformen, damit Unternehmen durchatmen können.
- Infrastrukturausbau bei Verkehr und Digitalisierung.
- Fachkräfteoffensive gegen den Arbeitskräftemangel.
Gerade der Maschinenbau braucht dringend regulatorische Entlastung. Statt Mikromanagement wünschen sich viele marktwirtschaftliche Reformen, die Innovationen wirklich fördern.
Wasserstoffnetze und grüne Energieinfrastruktur verlangen nach staatlicher Koordination. Die Politik sollte industriepolitische Prioritäten neu setzen und den Dreiklang aus ökologischem Fortschritt, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Offenheit endlich ernst nehmen.
Digitalisierung, Innovation und Transformation
Deutsche Unternehmen stehen trotz aller Standortprobleme vor echten Chancen in Zukunftsmärkten.
Grüne und digitale Technologien eröffnen bis 2030 einen Weltmarkt, der jährlich über 15 Billionen Euro umfasst. Klingt beeindruckend, oder?
Ihre Erfolgsbereiche:
- Klimatechnologien und Umwelttechnik
- Industrielle Automatisierung
- Gesundheitstechnologie
- Digitale Produktionssysteme
Die deutsche Wirtschaft muss massiv privat investieren.
Unternehmen und Haushalte stemmen etwa zwei Drittel der benötigten 1,4 Billionen Euro.
Transformation erfordert:
- Modernisierung der IT-Infrastruktur und Ausbau von Glasfaser
- Digitale Geschäftsmodelle im Maschinenbau
- Künstliche Intelligenz in Produktionsprozessen
- Nachhaltige Lieferketten
Der BDI sagt es klar: Das Rennen um Zukunftsmärkte läuft noch.
Deutsche Industrieunternehmen können Weltmarktführer werden, wenn sie jetzt auf Digitalisierung und grüne Technologien setzen.




